12.06.2018

The Fighter – Ode an einen unvergesslichen Krieger

1. Kreisklasse Nord: SC Eichsfeld – TSV Nesselröden 0:1 (0:1)

Sportplatz Desingerode

19:44. Desingeröder Sportplatz. Atemlose Stille. Die Ruhe vor dem Sturm. Dann bricht es los. Ein Sturm aus Jubelschreien, Tränen und wilden Freudentänzen. Im Mittelpunkt: der Krieger. Der Habicht. Der Travelblogger. Der Einzigartige. Der Arnoldi-Preisträger. Der Hexer. Oder eben Aaron. Er ballt die Fäuste. Streckt seine muskulösen Arme gen Himmel. Eiskalt. Unbeeindruckt. Majestätisch. Er ist das Epizentrum. Das Auge des Sturms. Aber der Reihe nach.. Am Freitag stand das Derby an. Der SC Eichsfeld sollte die Rotstutzen aus Nesselröden empfangen. Endspiel um den zweiten Tabellenplatz. Die Gastgeber sogar noch mit der Chance auf den Meistertitel. Ansporn genug also für die Superhelden der 1. KK Nord dem Nachbarn gehörig in die Suppe zu spucken und sich für die Hinspielniederlage zu revanchieren.

Von Konstantin Wirth

Der Beitrag aus der 1. Kreisklasse Nord wird präsentiert von:

Treffen am Sporthaus. Die Stimmung ist eine Mischung aus Vorfreude und Anspannung. Athletic Phil erklärt Fänger Nemitz die richtige Technik beim Bankdrücken. Nimm es dir zu Herzen! Dann der erste Schock. Konz kommt mit bandagiertem Fuß angehumpelt. Uniliga in Erfurt war wohl wichtiger als das Derby. Missbilligende Blicke von allen Seiten. Doch die Mienen aller Beteiligten hellen schnell auf. Die Autos sind gepackt und es soll losgehen. Mattis fährt vorweg. Und zurück. Und vor. Und zurück. Wieder vor. Gegen den Bordstein. Und wieder zurück. Ein Spektakel, diese Fahrkünste. Irgendwie schlängelt er sich dann doch an den restlichen Autos vorbei und es geht nach Desingerode.
Umziehen, Besprechung, Aufwärmen. Die Anspannung steigt, der Fokus ist da. Dann gehts noch einmal in die Kabine. In Abwesenheit von Captain Nolte ergreift Mäuschen das Wort. Ansonsten eher für seine physischen Veranlagungen in aller Munde, legt er kurzerhand eine Ansprache à la bonne heure hin. Die Luft brennt. Die Mannschaft ist voll da. Hinter Atheltic Phils breitem Kreuz marschiert die Truppe auf den Platz. Ersatz-Captain Jimmy mit Schaum vor dem Mund. Der Weg aufs Spielfeld führt an der Bierbude vorbei. Mit vereinten Kräften können die Hühnerväter Morre und Jonas daran vorbei bugsiert werden. Dann geht’s los. TSV kann die Stimmung aus der Kabine diekt auf den Platz übertragen. Kein Ball wird verloren gegeben, kein Zweikampf gescheut. Jeder kämpft für jeden. Gewonnene Zweikämpfe werden wie Tore gefeiert. Die Abwehr um Luca, Phil, Aaron und Morre steht sicher. Nur ein einziger Ball rutscht mal durch. Fänger Nemitz kommt raus und geht volles Risiko. Das wird belohnt. In letzter Not klärt er ca. 25m vor dem eigenen Tor. Die Gästefans grölen und frohlocken. Vielleicht war das auch gar nicht Lars - sondern Manuel Neuer?
Luca liefert sich unterdessen ein Privatduell mit dem gegnerischen Flügelspieler. Dieses geht klar an den Genussraucher. Bei jedem Ball kriegt er ein Bein dazwischen. Gesunde Härte heißt das Zauberwort. Der Gegenspieler entnervt, wendet sich an seinen Trainer. „Die treten mich!“ Lassen wir das einfach mal so stehen.
Chancen bis dato Mangelware. Das Spiel ist geprägt von Grabenkämpfen im Mittelfeld. Diese gewinnen fast ausschließlich die Nesselröder. Hier ist doch mehr drin! Es geht stark auf die Halbzeit zu. Nach einem Standard gehört der zweite Ball den Roten. Dann ist es soweit.
Verehrte Leserinnen und Leser, schnallt euch an. Der nun folgende Abschnitt kann nicht einmal ansatzweise das am Freitag erlebte einfangen. Dennoch bemühe ich mich, die Erlebnisse und Emotionen möglichst detailgetreu darzustellen.
Den besagten zweiten Ball sichert Dario und gibt links raus auf Morre. Der nimmt den Ball an und bringt eine Thorsten-Vollmer-Gedächtnisflanke halbhoch auf den kurzen Pfosten. Dort kommt Jonas an den Ball. In unnachahmlicher Manier verspringt dieser ihm um einige Meter. Der Gegner überrascht, TSV nicht. Aaron hat Jonas technische Fähigkeiten bestens im Kopf und steht somit goldrichtig am Sechzehnerrand. Er holt aus. Sein linkes Bein schwingt durch. Er trifft den Ball satt. Im Gesicht der Heimakteure lässt sich das kommende bereits erahnen. Wie eine Kanonenkugel schlägt das Spielgerät in den Maschen ein. Ein Treffer Marke Traumtor. Dann Stille. Für Millisekunden. Danach gibt es kein Halten mehr. Mannschaft und Fans liegen sich in den Armen. Klöppi wirft seinen Sonnenhut aufs Spielfeld. Der Junior darf ihn wiederholen. Der stolze Papa Stefan steht fassungslos dar. „Das ist mein Junge. Das ist mein Junge.“, hört man es immer wieder vom Spielfeldrand. Mama Mechthild derweil muss von Freundinnen gehalten werden, den Tränen nahe. Emotionen der Extraklasse.

Aaron selbst ist die Ruhe in Person. Was ihm wohl gerade durch den Kopf geht? Was hat dieser Junge nicht alles hinter sich – und dennoch steht er hier. Wie ein Fels in der Brandung. Eine schwere Knieverletzung in der Hinrunde – dennoch steht er hier. Schläge auf dem Edeka-Parkplatz von einem fiesen 12-jährigen – dennoch steht er hier. Neuseeland Aufenthalt im Frühjahr und die darauffolgende Umstellung auf german-time – dennoch steht er hier. Arnoldi-Preis im Jahr 2016 und die darauffolgenden Anfeindungen von Neidern und Gegnern – dennoch steht er hier. Es ist einfach nur bewundernswert wie er all diese Rückschläge immer wieder wegsteckt und niemals aufgibt. Ein Vorbild für die Jugend, eine Inspiration für Jedermann. Dieses Tor mit all seinen Facetten, soviel ist sicher, lässt sich nur begreifen, so wie man die bewegende Lebensgeschichte des Helden wider Willen betrachtet.
Gott sei Dank ist danach Pause. Mannschaft und Zuschauer können durchatmen. So ist zumindest der Plan. Freibad schwitzt nämlich so sehr, dass sein T-Shirt klitschnass ist. Schon gehört die ganze Aufmerksamkeit ihm. Schmachtende Blicke der Damen, neidische der Männer. Wer malt sich in diesem Moment nicht aus, wie er im Stile eines jungen David Hasselhoffs am Strand zu „I`m always here“ entland joggt. Aber verlieren wir uns nicht in diesen Dingen. Zurück zum Spiel.
Mäuschen macht die Truppe in der Halbzeit noch einmal heiß. Nicht nachlassen! Auf die Zähne beißen und die knappe Führung über die Zeit schaukeln. Dario jedoch indisponiert, der Oberschenkel zwickt. Dafür kommt Friedrichs in die Partie. Auch nach dem Seitenwechsel bleibt es eine kampfbetonte Partie. Man merkt jedoch zu jeder Zeit, die Rotstutzen wollen es mehr. Sobald es die Desingeröder mal schaffen den Ball zu kontrollieren, dreht Jimmy im roten. Wie ein angestochener rast er auf den Ballführenden zu, dabei wildschreiend und gestikulierend. Und es funktioniert. Kaum Kombinationen der Gastgeber, meist gibt es lange Bälle. Diese sind jedoch gefundenes Fressen für die physischen Ausnahmeerscheinungen Aaron und Phil in der Innenverteidigung. In der Folge verpassen es die Roten jedoch ihre Kontermöglichkeiten konsequent auszuspielen. Der letzte Pass ist meist zu schlampig gespielt. Dadurch bleibt es jederzeit spannend. Mäuschen holt sich dann kurz vor Schluss eine gelb-rote Karte ab. Bis dahin eine kämpferisch akkurate Leistung des geborenen Handwerkers, der scheinbar immer ein Bein mehr als der Gegner zu haben schien.
Die Nachspielzeit läuft. Ein letzter Angriff der Gastgeber. Nach einer geblockten Flanke liegt der Ball frei im Sechzehner. Ein Eichsfelder hat freie Schussbahn. Doch dann erblickt er das Gesicht von Fänger Nemitz. Pure Entschlossenheit. Er entschließt sich den Ball über den Fangzaun zu hämmern. Besser besser!
Dann ist Schluss. Aus und vorbei. Ein Sieg des Willens, der absoluten Leidenschaft. Getragen von einem phänomenalen Gästepublikum erkämpfen sich die Rotstutzen angeführt von Aaron die drei Punkte im Derby. Ein Sieg des ganzen Vereins, der Mannschaft, den Fans, mit einem magischen Moment für die Ewigkeit. Wer nicht dabei war, kann nicht mitreden!
Dann wird gefeiert. Kaum ist Schluss hat Getränkewart und Co-Trainer Bronco bereits die ersten Kaltschorlen bereitgestellt. Wie macht er das bloß immer so schnell? Mit den letzten Sonnenstrahlen geht es schlussendlich ins heimische Sporthaus. Dort wird die ganze Nacht von Aarons Tor geschwärmt, getanzt, gesungen und gelacht. Jeton tätigt einige Anrufe und schlussendlich kommt noch Ardijan Bupupi vorbei. Günther Kellner hatte ihn spontan vom Flughafen abgeholt. Dann gibt’s ein Privatkonzert für alle Anwesenden – Wahnsinn!
Die 1. Mannschaft möchte sich hiermit ausdrücklich für die Unterstützung der vielen Nesselröder Zuschauer bedanken! Einfach unglaublich was ihr da abgeliefert habt. Ein Erlebnisbericht zum Wahnsinn am Sonntag in Bad Grund folgt in den kommenden Tagen.
Um es in den Worten des einzigartigen Karsten Spotteks zu sagen:
Munter bleiben
TSV Aisan Nesselröden I.

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