"Ich kann und will noch viel lernen!"

Interview mit dem Fußball-Lehrer Goran Barjaktarevic

17. März 2016, 14:14 Uhr

Goran Barjaktarevic beim Besuch der Firma Move100

Gökick:
Wie lange sind Sie in Island geblieben und was sind Ihre Erinnerungen an das Land?

Goran Barjaktarevic
:
In meinem Heimatland herrschte Krieg. Überall auf der Welt sah man die schlimmen Fernsehberichte. Die Isländer waren eher unpolitisch und haben mir keine Fragen gestellt über die Ursachen und Schuldfragen. Das war Balsam für meine Seele. Island ist ein Land mit wunderschönen Landschaften und sehr freundlichen Menschen. Hieran habe ich tolle Erinnerungen, auch wenn es fußballerisch damals für mich eher eine Notlösung war. Zudem dauert die Saison in Island nur sechs Monate, danach waren sechs Monate Pause. Und so ging ich bereits im Oktober 1992 zurück nach Belgrad, um mich bei Roter Stern fit zu halten. Belgrad war nicht inmitten der Kriegszone wie meine Heimatstadt in Bosnien-Herzegowina.

Gökick:
Anschließend führten Sie Ihre Weltenbummelei fort und landeten in Marokko beim F.U.S. Rabat. Wie kam es zu dem Transfer nach Marokko und welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Goran Barjaktarevic:

Die Anfrage kam offiziell durch den Verein Roter Stern. Das war natürlich das totale Gegenteil von Island. Wir spielten in der 1. Liga. Ich spielte mit großen Namen des marokkanischen Fußballs wie Ezaki Badou Zaki, der bis zum Februar dieses Jahres Nationaltrainer in Marokko war, oder Lamris und El Haddaoui zusammen. Das war die Saison 1993/1994. Die anschließende Spielzeit war ich bei Obilic Belgrad in der ersten Liga Serbien-Montenegros aktiv.

Gökick:
Anschließend kamen Sie nach Deutschland, wo Sie mittlerweile auch heimisch geworden sind. Welche Stationen durchliefen Sie hier als Spieler?

Goran Barjaktarevic:

1995 kam ich nach Deutschland. Zuerst war angedacht, dass ich zum SV Meppen in die 2. Liga wechsele, der Trainer damals war Horst Ehrmanntraut. Der SVM hatte aber bereits zu viele EU-Ausländer, so dass sich dieser Wechsel zerschlagen hatte. Ich landete beim SV Wilhelmshaven in der Regionalliga, der damals dritthöchsten Spielklasse. Der Trainer beim SVW war Wolf Werner. Später ging ich zu Atlas Delmenhorst, alles ohne Berater und nur mit Englisch-Kenntnissen. Dadurch war das alles noch ein bisschen schwerer für mich in dem Geschäft. Nachdem die Firma Atlas Pleite ging, war es auch mit dem höherklassigen Fußball in Delmenhorst vorbei. Nachdem sich ein Wechsel zum VFB Oldenburg zerschlagen hatte, lies ich meine Karriere beim VfL Oldenburg ausklingen. Beim VfL hatte ich eine schöne Zeit und viel Spaß am Fußball. Parallel begann ich mit meinen Trainer-Lizenzen. 1998 absolvierte ich erfolgreich die B-Lizenz und 2000 die A-Lizenz.

Gökick:
Nach Ihrem Karriereende blieben Sie in Oldenburg und begannen Ihre Trainerlaufbahn, allerdings beim VfB als U19-Trainer. Was haben Sie für Erinnerungen an Ihren Einstieg in das Trainergeschäft?

Goran Barjaktarevic:

Mir war es wichtig, dass ich den Trainerberuf mit allen Aspekten und Bereichen der Tätigkeit richtig erlerne. Noch in der Zeit, in der ich meine Trainerlizenzen gemacht habe, ist mir klar geworden dass die Begriffe - guter Fußballer - und - guter Trainer - nicht unbedingt Synonyme sind. Ich war vier Jahre Trainer der U19 beim VfB in einer sehr schwierigen Zeit, der Insolvenzzeit. Es ist uns dennoch gelungen vier Jahre die höchste Klasse, damals die Regionalliga, zu erhalten. Um genügend Spieler zu haben, musste ich sogar Sportler aus anderen Sportarten, die bis dato zum Beispiel Leichtathleten und Handballer waren, zuerst abwerben und dann komplett umschulen.

Gökick:
Ihr Ziel war immer der Erwerb der Fußballlehrer-Lizenz?

Goran Barjaktarevic:

Wenn ich mich schon entschieden habe, in einem Beruf dauerhaft zu bleiben, dann wollte ich auch unbedingt die höchste Qualifikation für diesen Beruf erwerben. Ja, das war mein großes Ziel. Die Voraussetzung hierfür war damals eine mindestens zweijährige Tätigkeit als Trainer mit der A – Lizenz in der höchsten U19-Spielklasse oder mindestens in der Regionalliga im Herrenbereich. Zudem gab es eine Wartezeit von 3 Jahren. 2005 absolvierte ich erfolgreich meine Fußballlehrerausbildung gemeinsam mit Thorsten Fink, Thomas Häßler, Oliver Reck, Heiko Vogel, Edgar Schmitt, Sven Köhler, Torsten Fröhling und anderen, heute sehr guten Trainern.

Gökick:
Später ging es für Sie als Nachfolger von Uwe Reinders als Trainer zum Brinkumer SV. Dieses war Ihre erste Station als Herrentrainer. Sie übernahmen den BSV nach einer desolaten Hinrunde mit nur sechs Punkten auf der Habenseite. Warum übernimmt ein Trainer am Anfang seiner Karriere einen Verein der schon praktisch am Ende der Hinrunde abgestiegen ist und wie verlief die Rückserie?

Goran Barjaktarevic:

Im Rahmen meiner Ausbildung zum Fußball-Lehrer habe ich damals bei Werder Bremen hospitiert. Trainer war Thomas Schaaf und Dieter Burdenski war Torwarttrainer. Gleichzeitig war Dieter in dem Verein Brinkumer SV aktiv und so kamen wir zu diesem Thema.
Dieter sagte mir, dass Uwe beim Brinkumer SV aufhören möchte und dass er einen Trainer sucht, und ob ich mir das vorstellen könnte. Obwohl mir klar war, dass ich persönlich dort keinen „Oscar“ gewinnen werde, habe ich die Situation des Vereins sehr gut verstanden und wollte dem Verein und Dieter helfen, ich konnte nicht nein sagen. Die Vorbereitung für die Rückserie war ziemlich turbulent, da viele Spieler den Verein in der Pause verlassen haben. Das alles ist damals in der Oberliga Nord passiert, die heutzutage eigentlich Regionalliga Nord heißt. Dennoch ging es bergauf im Vergleich zu der Hinrunde. Wir holten in der Rückrunde 22 Punkte. Diese Ausbeute reichte leider nicht für den Klassenerhalt, hierzu fehlten uns am Ende noch ein paar Punkte.


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