01.04.2019

Handy-Verbot in Nikolausberg

Sportpolitik: Ein Göttinger Fußball-Funktionär will die Sportplatz-Kultur revolutionieren

Neu in Nikolausberg: Die Handy-Box

Jeder Zuschauer, der zum ersten Mal den Sportplatz im Göttinger Stadtteil Nikolausberg besucht, reibt sich verwundert die Augen. Denn bereits seit etwa zehn Jahren gilt hier ein strenges Rauch- und Alkoholverbot. Was bei Fußballspielen im Nachwuchsbereich durchaus auf Verständnis stößt, erregt bei Spielen der Kreisklassen-Mannschaft des Nikolausberger SC immer wieder Kopfschütteln. Mit großem Engagement und unerbittlicher Strenge wird dieses Verbot von jeher von Gero Scheuß, dem Fußball-Abteilungsleiter des NSC, durchgesetzt. Geschichten darüber, wie der nicht nur dank seines Amtes mächtige Mann die Zuschauer ermahnt oder sogar vom Gelände verweist, besitzen in den Gesprächen über die südniedersächsischen Schildbürgerstreiche schon fast Kultcharakter. Nun hat sich „Mister Nikolausberg“ etwas Neues ausgedacht.

Ab sofort soll auf dem Sportplatz „Auf der Lieth“ ein Handy-Verbot gelten. Was im ersten Augenblick nicht nachvollziehbar scheint, erklärt Gero Scheuß schlüssig: „Es gibt drei wichtige Gründe, warum der Vorstand des Nikolausberger SC diesen Beschluss fasste. Erstens sind die Gefahren der Handy-Strahlung noch nicht vollständig erforscht. Ich sehe es nicht ein, Spieler, Funktionäre und unbeteiligte Zuschauer möglichen Langzeitfolgen auszusetzen.“, erklärt der Nikolausberger Fußballchef. Außerdem, so Scheuß weiter, lenke die Handybenutzung vom sportlichen Geschehen ab. „Sport ist Sport und Handy ist Handy.“, meint er. „Die Jungs zerreißen sich auf dem Sportplatz und die Zuschauer bekommen vor lauter Handydaddeln gar nichts mit. Damit ist jetzt Schluss!“, führt er energisch aus. Der dritte, wichtige Grund sei die aktuelle europäische Urheberrechtsreform. „Wir organisieren den Sport und bezahlen den Schiedsrichter. Somit sollten die bewegten Bilder von unserem Sportplatz auch uns gehören. Ich sehe nicht ein, dass die einschlägigen Video-Portale viel Geld mit den Handy-Filmen der Zuschauer von unserem Sportplatz verdienen und dann keine Steuern in Deutschland zahlen.“, erklärt er. Mit dem Handy-Verbot sei so etwas nicht mehr möglich. Eine Entmündigung der Zuschauer könne er nicht erkennen. „Manchmal muss man die Menschen eben vor sich selbst schützen.“, wiegelt er lapidar ab. Beim Kassieren wird Gero Scheuß zukünftig die Mobil-Telefone der Zuschauer in der Handy-Box (siehe Foto) einsammeln. Nach der Partie erhalte jeder Zuschauer sein Gerät zurück. „Wir haben uns rechtlich abgesichert. Wer sich weigert, unsere Sportplatzbedingungen anzuerkennen, wird die Sportanlage verlassen müssen.“, erklärt er die Umsetzung des neuen Verbots. Das Mobil-Telefon einfach in der Tasche zu lassen, wird nichts nützen: Der NSC hat ein Signal-Such-Gerät angeschafft, das dem rührigen Funktionär alle eingeschalteten Mobil-Geräte im Umkreis von 30 Metern anzeige. „Betrugsversuche werden natürlich mit einem Platzverbot bestraft.“, verdeutlicht er die Konsequenzen für jene, die sich der Ordnung auf dem Nikolausberger Sportplatz nicht beugen wollen.

Bild der Vergangenheit: Gero Scheuß mit Handy auf dem Sportplatz

Das Engagement des Sportfunktionärs für gesunde und kluge Menschen soll übrigens weiter gehen. Demnächst soll es aus Tierschutzgründen Menschen mit Lederbekleidung verboten werden, den Sportplatz des Nikolausberger SC zu betreten. Dem zukünftigen Lederverbot zuwiderlaufend wurde ein angedachtes Kunststoff-Verbot auf der hübschen Sportanlage im Nordosten Göttingens wieder verworfen. „Da alle Fußballschuhe und sogar der Ball mittlerweile aus Plastik bestehen, wäre ein solches Verbot kontraproduktiv gewesen.“, verrät Gero Scheuß dem Gökick. Besser Chancen habe da sein Plan, zukünftig Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nicht mehr auf dem Gelände des Sportvereins zuzulassen. Auch hier sei der Schutz der Aktiven vor Feinstaub und Kohlendioxyd ein Argument, dem sich niemand entziehen könne. Menschen- und Umweltschutz seien ihm wichtige Anliegen. Einmal sei er nach eigenen Aussagen aber über das Ziel hinausgeschossen. Den Mitgliedern des NSC das warme Wasser für das Duschen abzudrehen, um Energie zu sparen und damit die Umwelt zu schonen, sei am lautstarken Veto der Aktiven gescheitert. Für Gero Scheuß nur ein kleiner Rückschlag auf dem Weg zu einer besseren Welt.

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