Halbzeit-Bilanz Teil 1

Auf dem Kleinfeld sind sie die Größten

06. Dezember 2021, 19:29 Uhr

Szene aus der Partie der Fortuna Werxhausen (blau-gelb) in Harste

Der Winter und die Corona-Maßnahmen sorgen dafür, dass der Amateur-Fußball – bis auf wenige Ausnahmen – in unserer Region ruht. Die kommenden Wochen bieten Gelegenheit, einen Rückblick auf die Hinrunde der Saison 2021/22 zu wagen. Der Fußball hat auch in der jetzt pausierenden Spielzeit jede Menge Emotionen, Freude, Kummer und Leidenschaft geboten. Wir wollen die Hinrunde der Ligen des regionalen Fußballs in lockerer Folge beleuchten. Heute: Die 4. Kreisklasse der Herren.

Gesucht wird die beste Kleinfeld-Mannschaft der Region. Im Vorjahr war das die dritte Mannschaft des TSV Dramfeld, die nach fünf Spielen in der abgebrochenen Saison 2020/21 an der Spitze des Klassements lag. Ein Jahr zuvor feierte der TSV Holzerode die Meisterschaft auf dem kleineren Spielfeld. Beide Mannschaften sind diesmal nicht dabei. Der TSV Dramfeld hat keine dritte Mannschaft gemeldet, der TSV Holzerode startet inzwischen auf dem Großfeld.


So nahmen zu Saisonbeginn neun Mannschaften den Spielbetrieb der 4. Kreisklasse auf – sieben Teams aus der Region des Altkreises Göttingen, zwei aus dem Gebiet des ehemaligen Kreises Osterode. Als bestes Team hat sich nach der Hinrunde der SV Fortuna Werxhausen erwiesen. Der Verein des 61-jährigen Trainers Gerhard Pingel meldete mit Beginn der Spielzeit nach langer Abstinenz wieder ein Team für den Spielbetrieb und hat nach acht Spielen die stolze Bilanz von sieben Siegen und nur einer Niederlage vorzuweisen. Mit 24 geschossenen Toren und nur drei Gegentoren ist Fortuna in beiden Richtungen das Maß aller Dinge in der 4. Kreisklasse. „Der Erfolg hat uns völlig überrascht. Wir hatten uns lediglich vorgenommen, keine Spielabsage verursachen zu müssen. Das ist bei einem Kader von nur 14 Spielern sehr schwierig. Doch die Jungs machen das hervorragend.“, zeigt sich Gerhard Pingel begeistert von seinem Team.
 
Die Idee, eine Mannschaft für den Spielbetrieb in dem 400-Seelen-Ort zu melden, entstand, wie der Coach berichtet, beim gemeinsamen Biergenuss seiner fußballverrückten Spieler. Er wurde angesprochen, weil er einst als Jugend-Trainer zwischen 1991 und 2003 in Werxhausen bereits seine Spuren hinterlassen hat. Damals reichte es leider nicht mehr zu einer Herren-Mannschaft, seither ruhte der Fußball auf dem hübschen Sportplatz in Werxhausen. Im vergangenen Jahr wurden die Pläne auf der Jahreshauptversammlung des Sportvereins vorgestellt. Was anfangs im Dorf belächelt wurde, hat sich inzwischen als Erfolgsgeschichte etabliert. Acht Wochen vor dem Saisonbeginn startete das neue Team mit zwei 36-jährigen Routiniers und dem Rest der Spieler im Alter zwischen 18 und 24 Jahren in die Vorbereitung. Etwa die Hälfte der Kicker hatte zuvor nicht aktiv in einem Team gespielt. Die andere Hälfte war beim JFV Eichsfeld, beim TSV Nesselröden oder beim SV Germania Breitenberg im Einsatz. „Es macht wahnsinnig Spaß mit den Jungs. Was hier passiert, ist menschlich überragend! Inzwischen ist das alles ein Selbstläufer. Nach den ersten Spielen ist im Team ein richtiger Erfolgshunger erwacht.“, so der Übungsleiter. So richtig bewusst wurde den Spielern die eigene Stärke nach dem 1:0-Auswärtssieg am zweiten Spieltag bei der SG Lenglern/Harste IV durch das Goldene Tor von Marvin Schröder. Mit nur neun Spielern angereist, musste die Mannschaft später nach muskulären Verletzungen zu siebt das Spiel zu Ende bringen. Nach der Partie seien seine Jungs förmlich vom Platz gekrochen, erinnert sich Pingel. Das sei der Brustlöser für die Saison gewesen - jeder hätte für jeden gekämpft.
 
Natürlich möchte die Mannschaft nun auch die Meisterschaft erringen. Als schärfste Konkurrenten im Kampf um die Trophäe sieht Pingel den SC Rosdorf III und den FC Gleichen IV. Aber auch die vierte Mannschaft der SVG hat ihn ob ihrer Spielstärke beeindruckt. Der Vorteil dieser Mannschaften gegenüber der Fortuna: Die Teams der großen Vereine könnten sich mit Spielern der anderen Teams verstärken, die Pingel-Mannschaft könne das nicht. Dennoch ist der 1. FC Köln-Fan, der im November seine 20-jährige Mitgliedschaft im Geißbock-Verein feierte, sehr hoffnungsfroh, dass seine Mannschaft auch am Ende der Saison ganz oben stehen könnte. Vielleicht werden mit dem ungeahnten Erfolg eine Vergrößerung des Kaders und damit eine Teilnahme am Großfeld-Spielbetrieb möglich sein. Das jedenfalls ist der Plan, den Gerhard Pingel und seine Jungs in naher Zukunft in die Tat umsetzen möchten.

Am 27. März beginnt für Fortuna die Rückrunde mit dem Spitzenspiel beim Tabellendritten FC Gleichen IV auf dem Sportplatz in Diemarden.

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