20.06.2019

Nikolausberg lässt sich vor den Karren spannen

Krombacher Kreispokal für Teams der Kreisliga und 1. Kreisklasse: Die Scheinheiligkeit des Nikolausberger SC

Bier und Fußball im Kreispokal

Seit vielen Jahren ist die Krombacher Brauerei Namensgeber und damit Hauptsponsor des nach ihr benannten Kreispokals. Das Brauhaus verfolgt mit seinem Sponsoring klare Marketingziele, will der Marke noch größere Bekanntheit geben, das Image positiv gestalten und das Gastronomie-Geschäft ankurbeln. Das Flaggschiff der Krombacher Brauerei hat seine Position als meistgekaufte und beliebteste Pilsmarke in Deutschland verdient. Krombacher Pils erreicht einen Ausstoß von 4,260 Millionen Hektoliter (2015). Obwohl alkoholfreies Bier immer beliebter wird, ist nur etwa jedes 20. verkaufte Bier-Getränk ohne Alkohol. 

Achtung: Satire


Die Krombacher Brauerei - so könnte man mutmaßen - will also durch den Krombacher Kreispokal auch den Vertrieb ihres Kerngeschäftes ankurbeln. Daran ist nichts Verwerfliches, viele Unternehmen wollen sich durch die Verbindung zum Sport in einem positiven Licht zeigen - einige Firmen kaufen dafür sogar ganze Vereine. Die meisten Vereine der Region Südniedersachsen haben mit dem Bier der Kreuztaler kein Problem, im Gegenteil: Seit Krombacher den Pokal sponsert, boomt der Wettbewerb, für viele Teams sind die Bier-Präsente eine zusätzliche Motivation.  

Nun ist mit dem Nikolausberger SC ein Verein in das Finale des diesjährigen Pokals eingezogen, der bekanntlich den Konsum auch der kleinsten Mengen Alkohols strickt ablehnt. Im Göttinger Stadtteil Nikolausberg wird jeder Zuschauer des Sportplatzes verwiesen, der mit einer Flasche Bier erwischt wird. Darüber kann man geteilter Meinung sein, das Hausrecht gestattet aber dem Verein, eine solche Entscheidung durchzusetzen. Zumindest scheint der Kampf gegen den Alkohol - auch in diversen Publikationen öffentlich kommuniziert - ein Prinzip des NSC zu sein. Wie, so fragt man sich, lässt sich dann die Philosophie des Vereins damit vereinbaren, dass das Team des Klubs nun um einen Pokal kämpft, der von Deutschlands größter Biermarke gesponsert wird? Ist das Scheinheiligkeit? Müsste die Konsequenz von Herrn Gero Scheuß, seines Zeichens Fußballfachwart und uneingeschränkte graue Eminenz des Klubs aus dem Nordosten Göttingens, nicht lauten: Ein Wettbewerb im Zeichen des Bieres ist für unseren Verein ein Tabu? "...sie tranken heimlich Wein (Bier) und predigten öffentlich Wasser..", sei Heinrich Heine zitiert. Unerschütterlichkeit im Glauben an das eigene Weltbild und die damit verbundenen Konsequenzen sehen anders aus. Wie groß wäre der Aufschrei bei den Leugnern des menschenabhängigen Klimawandels, wenn Greta Thunberg einen Preis der Steinkohle-Lobby annehmen würde? Darüber sollten die Niklolausberger einmal nachdenken, wenn am Sonntag bei einem möglichen Pokalgewinn gegen den FC Eisdorf die obligatorische Bierdusche folgen sollte!

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